Donnerstag, 9. Februar 2017

"Dein Song"- Orakel 2017

In wenigen Tagen startet die neue Staffel von "Dein Song", sowas wie DSDS mit Niveau.
Kinder und Jugendliche stellen ihre eigenen Kompositionen vor, eine ´Jury wählt aus, was davon ein Hit werden könnte, stellt den Kindern professionelle Paten an die Seite, die das ganze rund (manchmal zu rund) machen und am Ende gibts ne große Show mit anrufen. Also Spaß für die ganze Familie. Und gerade wer ein bisschen an der heutigen Jugend zweifelt sollte sich hier ein bisschen Hoffnung holen.

Da ich auch im letzten Jahr familienintern schon mächtig schief lag (ausser bei Ben) hier diesmal ganz öffentlich mein Eindruck von den Kandidaten. Was für Musik werden sie präsentieren? Und meine Meinung, wie weit sie kommen.

Wichtig: Ich habe nix von den Liedern gehört, mir nur den Steckbrief auf der Seite von Kika angesehen. Und ja natürlich ist das voll von Vorurteilen! Ist ja auch VOR der Show!

Und falls das einer von den Künstlern lesen sollte:
ICH HAB DOCH ÜBERHAUPT KEINE AHNUNG! I
hr wurdet ausgewählt, vor der Jury zu bestehen. Also habt ihr was auf dem Kasten.

Mathis - Ein interessanter Musikgeschmack für so einen kleinen Mann. Das macht Hoffnung, auf ein zweites Ben- Wunder. Ordentlich verknallt war er scheinbar auch schon mal.
Liedermachernummer mit Gitarre
Fährt mit nach Ibizza Finale? Reicht diesmal noch nicht.

Josefine - Einer der Paten unter den Lieblingsmusikern! Erinnert mich an Leontina. Das Thema des Liedes könnte was werden. Aber vielleicht ne Nummer zu groß.
Spielt zum Keyboard, einfache, eingängige Melodie
Fährt mit viel ehrlichem Lob wieder nach Hause

Vanessa - Da kommt Freude auf! Und Stimmung! Das wird was Danciges. Da freu ich mich drauf
Auf jeden Fall Finale

Timtim und Solomon Mein erster Gedanke war, die fahren wieder nach Hause, weil sie schon zu gut sind. Aber ein Blick auf die Paten sagt mir, die wandern mit ihrer Hiphop- Nummer irgendwie bis ins Finale.

Finn und Jonas, die find ich auch spannend. Da wird ein bisschen mit den Stilrichtungen gespielt, Die Nummer ist irgendwie cool aber auf Ibizza kriegen sie das Lied nicht rund.
Ibizza

Patrik Ein Wiederholungstäter! Wenn er sich nicht all zu ungeschickt anstellt, reicht es diesmal fürs Finale! Wenn er gut mit dem Paten harmoniert, vielleicht sogar für den Sieg
Finale, Sieg

Luca So ein junger Altrocker! Schade, das der Text total stolpert und das Subway to Sally keine Paten sind. Ganz ganz vielleicht Ibizza, Auf jeden Fall aber ein klasse Typ. Komm auf jeden Fall nächstes Jahr wieder!
Ibizza

Elisabeth Hättest du mal Englisch gesungen! Dann würde der Zuhörer nicht so beschämt sein, weil er deinen deepen Text nicht versteht. Dass die Nummer fast Richtung Schlager abgleitet, macht es am Ende auch nicht besser.
Fährt wieder nach Hause. Schade.

Ada Hui, da passen Foto und Steckbrief ja mal gar nicht zusammen. Und die Lieblingsmusik kenn ich gar nicht.
Eindeutig Finale

Dario Och nö, Dance. Vielleicht gar nicht mal schlecht! Aber passt dieses Jahr nicht
fährt nach Hause

Adrian Ach bitte nicht wieder so eine "lustige" Nummer! Auch nicht, wenns für Mutti ist! Komm nächstes Jahr wieder!
Fährt nach Hause

Cassandra Mae Da denkste grad noch "ja ja der Blindenbonus" und dann macht sie den Mund und das Herz auf und dann biste mal ganz schnell stumm!
Finale

Anna Das ist schwer... vermutlich eine tolle Stimme. Aber das Lied ist dann nichts besonderes, deshalb reicht es nicht ganz
Ibizza

Lu Oh jemine, was machen wir denn mit dir? Das Lied ist geil crossover aber überzeugt das die Jury? Wiederkommen, dafür bist du schon zu weit. Ach komm,
Finale.

Farzin Schade, ist nicht deine Zeit, dabei bist du echt echt.
fährt nach Hause

Antonia Da geht noch mal richtig die Post ab. Tolles Lied, dank des Paten tolles Finale, das wird am Ende knapp!
Finale, Sieg

Zusammengefasst:

fährt nach Hause
Josefine nach Hause
Elisabeth nach Hause
Dario Finale!
Adrian nach Hause
Farzin Finale!

Ibizza 
Mathis Finale!
Finn und Jonas Finale
Luca nach Hause
Anna nach Hause

Finale
Vanessa direkt Finale
Timtim und Solomon Ibizza
Ada Ibizza 
Cassandra Mae Finale!
Lu Ibizza

Sieg
Patrick Finale
Antonia SIEG!

Viel Glück allen!

Ergänzt um den tatsächlichen Ausgang

Samstag, 4. Februar 2017

Kellutour 17.1

Es ist mal wieder soweit. Seit einigen Jahren, sind es schon 5(?) haue ich ein bis zwei Mal im Jahr ab. Natürlich mit Vorbereitung, Vorankündigung und Erlaubnis vom Rest der Familie. Ich bin gern Familienvater. Wirklich. Ich bin gern Erzieher in einer Einrichtung mit 160 Kindern. Und Eltern. Und nicht ganz so vielen Mitarbeitern. Ich bin gern in meinem Stadtteil angekommen. Man kennt sich, die Leute kennen einen. Ich lade gern zu Spieleabenden ein, gehe gern auf welche und doch....

Bin ich da ein bisschen schräg? Ehrlicher als andere? Oder suchen sich die Anderen andere Auszeiten?

Egal, ich brauch ab und zu mal Ruhe von all den sozialen Verpflichtungen, all den Menschen, so lieb sie mir auch sind. Weg von all den Verpflichtungen, Terminen, Erwartungen anderer Leute, die es zu erfüllen gilt.



Für eine erfolgreiche Kellutour braucht es nicht viel, nur ein Gefühl. Das Gefühl, von Freitag nachmittag bis Sonntag mittag alles allein und unabhängig von Anderen, ohne Rücksicht auf Andere bestimmt zu haben. Ja, es ist Samstag und ich schreibe hier was an die Aussenwelt aber ich habe es bestimmt!

ICH BIN DER BESTIMMER!!

(kennt das noch jemand? egal)

Auf einer vergangenen Tour, ich glaub es war die erste nach Magdeburg hab ich es mal so formuliert: "Das Geile ist, wenn ich mich jetzt bis Sonntag mittag genau hier in den Wald setzen würde und absolut nichts tun würde, wäre ich dafür niemandem Rechenschaft schuldig."

Ich hab  schon mal versucht, meine Gedanken während einer Kellutour zu verbloggen. Kann man hier nachlesen. Die Posts im April 2014 sind von meiner 3-Länder-Tour (Dazu vielleicht weiter unten mehr)

Jedenfalls geht das Bestimmen schon Freitag los. Mit dem Einkauf. NEIN, der kann NICHT vorher passieren. Auch wenn es schade um die Zeit ist, das muss absolut lustbestimmt passieren. Da muss Bier ohne Blick aufs Preisschild in den Wagen wandern, Wurst (Rotwurst mit Senf oder Sachen mit viel Aspik), Käse (stinkend, mit allem möglichen drin), Kartoffelsalat, ekelige Fertigfrikadellen, Fladenbrot, Schafskäsecremes, Süß- oder Knabberkram, den mir zu Hause die Kinder wegfressen würden, Cola, Fanta, Sprite..... Man muss auch gönnen können. Im Zweifel sich selbst.



Zugegeben, das Foto ist eher ein Symbolbild, entstanden nach meiner gestrigen Eskalation in einem Fabrikverkauf einer großen Salatmarke im Nachbardorf. Ja, die mit den dicken Dingern. Also... ach egal.

Nach dem Einkaufen wird das Quartier bezogen. Und die wochenlange Planung für den Samstag über den den Haufen geworfen. Weil ich es kann. Weil ich es niemandem erklären oder begründen muss. Herrlich!

Wenn es sich ergibt, stehen Freitags auch gern schon die ersten Kilometer an.

Samstag ist dann Hauptevent. Wandern, wandern, wandern. Und ein paar Dosen einsammeln. Ja, ich suche die Route anhand der Geocaches auf der Strecke aus, aber viel wichtiger sind die Kilometer zwischen den Dosen. Die Gedanken, oder Nichtgedanken, die Natur, die Stille oder das Geräusch des Waldes, eines Flusses, egal, Natur, Luft Weite, Höhe, Tiefe, Zeit, Zeit, Zeit

Da ich auf solchen Touren meist Samstags aus dem Bett falle und so ein Körper nur begrenzte Energie- und Verschleißreserven bietet, gestaltet sich der Samstag abend meist eher beschaulich, Egal, Muss ich niemandem erklären, warum ich mich auf nen Stuhl oder das Wohnwagensofa haue und... zum Beispiel...  blogge.

Am Sonntag kann ich ausschlafen. Tue ich nur meistens nicht. Leider. Also starte ich ganz langsam in den Tag und bin dann doch mittags meist mit allem durch und im Kopf schon auf dem Heimweg. Na denn, ab nach Hause! Ich freu mich dann auch drauf.


Doch genug der grauen Theorie! Herzlich Willkommen bei der Kellutour 17.1 (ja, ich plane noch eine weitere. Also ich plane noch keine, hoffe aber die Gelegenheit zu bekommen eine zu planen.)


Freitag
Am Freitag ist in diesem Jahr nicht viel passiert. Ich bin spät los und hab mir beim Einkaufen Zeit gelassen. Am Wohnwagen angekommen hab ich mich erstmal eingerichtet. Ja, ich habe meine Klamotten in den Schrank getan. Ich finde "aus dem Koffer leben" furchtbar. Das fand ich allerdings schon vor 12 Jahren, als ich noch als Betreuer auf Ferienfreizeiten fuhr. Wenn schon kein Einzelzimmer, dann wenigstens einen Schrank für mich. Ein bisschen Privatsphäre muss sein. Das ist wohl dieses "älter werden"

Ich hab meinen Chromestick eingepackt. Im Wohnwagen ist ein kleiner Fernseher und wenn man über den Netflix gucken könnte... Könnte man, wenn nicht die heimische Familie schon gucken würde. Na gut, die sind irgendwann im Bett. Dann schlägt meine große Stunde. Bis dahin eben im Netz rumgammeln und nochmal eine Ecke in die es mich morgen führen soll suchen.

Ah, das klingt interessant. Ein Earthcache mit mehreren Stationen, ein Multi, der offenbar auf der Strecke liegt und auf dem Weg dahin und zurück ein paar Tradis. Das klingt do- was? OOkay... Eingeweihte können die nächsten Abschnitte überspringen.

Geocaching. Also. Das man mittels GPS (Satellitenzeugs) jeden Punkt auf der Erde ziemlich genau bezeichnen und finden kann, sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Vor mehr als 10 Jahren begann man auf die Idee zu kommen, "Dosen" an allen möglichen und unmöglichen Ecken der Welt zu verstecken. Diese können verschiedene Größen haben. Gern werden diese vierflügeligen Lock- Dosen genommen, aber auch Munitionskisten, Filmdosen, Vogelhäuschen... Die meist zitierten "Tupperdosen" sind den meisten allerdings zu teuer und auf die Dauer auch nicht so dicht wie Lock- Dosen oder "PETlinge". Die heißen so, weil sie tatsächlich ursprünglich Rohlinge für PET- Flaschen waren. Könnt ihr alles googlen.

Jedenfalls notierte man die Koordinaten, also die GPS- Daten im Internet und andere versuchten aufgrund der Daten die Dose zu finden. Gelang ihnen das, nahmen sie die Dose nicht etwa mit nach Hause sondern verewigten sich in einem Logbuch, das im Inneren der Dose zu finden war. Sozusagen der Beweis, dass man wirklich da war. Anschließend prahlte man natürlich mit seinen Abenteuern im Internet.

So ist das noch heute, nur dass man heute kein teures GPS- Gerät mehr braucht, sondern das Ganze ziemlich passabel und genau auch mit einem Smartphone bewerkstelligen kann. GPS- Gerät ist natürlich viel cooler.

Über die Jahre sind noch verschiedene Arten von Caches entstanden, alle aufzuzählen würde hier zu weit führen, könnt ihr googlen. Aber heute hatte ich:

"Tradis", traditionelle Dosen. Man hat direkt die Koordinaten vom Versteck und muss da nur noch in einem Ungenauigkeitsradius suchen

"Multis", Multi- Chaches. Hier hat man meist nur die Koordinaten von der ersten Station. Hier muss man nach neuen Hinweisen suchen um irgendwann das "final", die Dose mit dem Logbuch zu finden. Das kommt dem Begriff der "digitalen Schnitzeljagd" der häufig verwendet wird am Nächsten. Eine andere Art der Multis wird auch gern "Zählcache" genannt. Hier sind häufig schon mehrere Stationen bekannt. Dort muss man dann Informationen suchen, aus denen sich die Position der finalen Dose berechnen lässt.

Earthcache, was ganz anderes. Hier gibt es nämlich gar keine Dose! Man wird im "listing", also der Erklärung zum Cache mit Unmengen von meist erdgeschichtlichem Wissen vollgestopft. Anschließend wird man anhand von Koordinaten zu einem oder mehreren Orten gelockt um hier Fragen zum Thema zu beantworten, die man nur beantworten kann, wenn man vor Ort war. Diese Fragen muss man dann online beantworten und darf erst auf das OK des "Versteckers" hin den Besuch online loggen. Hier ist ein Foto, natürlich ohne Hinweise auf die Lösung gern gesehen.

HALT

Hier gehts jetzt mit den Ereignissen des Tages weiter.

Jedenfalls hat die Familie dann irgendwann doch einen Netflix- Slot freigemacht und ich konnte endlich mal wieder ein bisschen Sherlock gucken.

Samstag

Mit Sherlock startete auch der Samstag. Im Bett. Im Bett mit einer Karlsbader Oblate und Sherlock. Weil ich es kann.Um 6:30 Uhr Ich hatte es ja geahnt.



Kurze Zeit später am Frühstückstisch ertappte ich mich dabei, dass mir Sherlocks Ende und Neuanfang sehr nahe ging. Überraschend waren die Ereignisse nicht, die Folgen sind nach den alten Fällen benannt, die Geschichte im Original also klar. Warum hatte ich also einen Kloß im Hals? War es die schauspielerische Leistung? Der kaum merkliche Gedanke an die Kindheit, in der ich all diese Fälle verschlungen habe? Oder einfach nur das Gefühl, an meinem Samstag in meinem Wohnwagen vor einem Berg Essen zu sitzen und meine Serie gucken zu können? Ich weiß es nicht und ich hatte nicht lange Lust zu grübeln, die Sonne lockte mich nach draußen.

Außerdem musste ich noch über etwas anderes grübeln. Mein Zeitmanagement. Dieser Samstag der vergeht mir immer viel zu schnell. Aber nur in Gedanken. In Wirklichkeit sind 7, 8 Stunden Laufen ja wohl mehr als genug, wenn ich um 10 loslaufe, bin ich trotzdem vor dem Abendbrot zu Hause. Warum also denke ich jedes mal morgens um 7, dass ich gar nicht alles schaffe, was ich mir für diesen Tag vornehme? Auch an diesem Wochenende bekomme ich keine Antwort darauf und finde auch selbst keine.

Kurz nach 9 geht es los. Meist höre ich keine Musik. Aber ich habe Kopfhörer auf. Ich mag mich täuschen, aber ich meine so besser auf die Welt zu hören. Ausserdem kommen so die Navigationsanweisungen von Locus am besten bei mir an. Die Richtung meines Weges und meine Schritte. Beruhigend monotone Begleiter.

Locus ist übrigens eine Navigations- und Trackaufzeichnungslösung mit der man auch cachen und ne ganze Menge anderes cooles Zeug machen kann, wenn man sich erstmal durch die Menus gefuchst hat. Jeden cent wert.



9:45
Ich laufe einem Jungen hinterher. Vielleicht 13, 14, 15. Er starrt auf sein Handy, keine Ahnung vielleicht spielt er Pokemon, vielleicht auch nicht, er ist jedenfalls sehr beschäftigt damit. Ich habe irgendwie das Gefühl, mir selbst hinterher zu laufen. Das fänd ich unangenehm. Deshalb verlangsame ich meinen Schritt, lass ihm einen Vorsprung. Warum er sich so ähnlich anfühlt, weiß ich nicht. Die langweiligen Klamotten, das weltvergessene Beschäftigtsein, keine Ahnug.
Ich beschließe, erstmal jeden Gedanken, der mir auf meinem Weg kommt aufzuschreiben. Ob ich am Ende alles hier veröffentliche, kann ich dann immer noch entscheiden



9:53 Der Weg durch die Stadt nervt mich schon. Ich will an die Landstraße, in den Wald, will unsichtbar sein und die alltägliche Welt nicht mehr sehen.

9:55 Ich sehe die Grundschule des Ortes und stelle fest, dass ich auch dieses Jahr vergessen habe, die tolle Idee zu kopieren, jedes Fenster der Schule als ein Adventskalendertürchen zu gestalten. Habe ich hier vor Jahren gesehen und nehme es mir jedes Jahr aufs Neue vor.

10:04 Ich werde heute lange laufen. Ausdauernd laufen. Ausdauer hatte ich schon immer. Ausdauer braucht Zeit.Ja, Ausdauer hatte ich schon immer in vielem. Ausdauer aber keine Geduld. Warum nicht? Wo ist der Unterschied?

10:06 The World is our playground. Mir begegnens sie alle. Die Cacher, die Pokemon- Spieler, Jogger, Walker und Mountainbiker. Wir spielen alle auf dem selben riesigen Spielplatz. Und niemand haut dem anderen die Schippe über den Kopp. Wir könnten soviel für uns, von uns lernen.



Die ersten zwei Dosen. eine recht frech versteckt. Einfach etwas angebaut, als wäre es das normalste der Welt. Den Rucksack auf meinem Rücken merke ich nicht. Das ist gut, ich werde ihn noch eine Weile tragen müssen und habe nicht vor, so schnell eine Rast einzulegen um ihn leichter zu machen.





10:46 Ich laufe unterhalb des Waldes, durch den meine Tour führt. Wo hat mich meine Tour eigentlich schon hingeführt? Bekomme ich es noch zusammen?

Zwei mal in die Nähe von Magdeburg. Megaphone, ein Event mit Geocachern auf einem Naturcampingplatz. War schön da und doch bin ich meist gewandert. Da brauch ich kein Event drum herum.

meine 3-Länder-Tour an die Mosel und nach Franken! Ich weiß gar nicht mehr, wie viele (Bundes-)Länder ich am Ende becacht habe. Nie war mir jedoch der europäische Gedanke näher, Präsenter als bei meiner Wanderung in und um Schengen.

Schwerin! Das Abschiedsevent vom Dosenfischer- Podcast, 35 km auf dem Klapprad!

Und letztes Jahr der Habichtswald. Mit der Planeten- Runde und den zwei Burgruinen!

Und immer wieder, wie auch dieses Mal,  Bad Rothenfelde. Fühlt sich mittlerweile an, wie ein zweites Zuhause

11:10 Meine Güte ist das warm! Ich nähere mich einer Bank. Die dicke Jacke unter der Weste ausziehen und vielleicht was essen und trinken. Unheilvoll ist in nicht all zu weiter Ferne Kettensägenknattern zu hören. Da! In dem Waldstück direkt vor mir kracht ein Baum auf den Waldboden. Und was ist das? MIST! Ich hab meine Tasche offenbar mitten in eine Gruppe von Zecken gestellt. Oder was ist das? Sind die überhaupt schon aktiv? Ja, sind sie, werde ich später erfahren.



11:39 "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche" Der Osterspaziergang kommt mir in den Sinn auch wenn ich weiß, dass es Anfang Januar noch reichlich früh dafür ist. Aber sag das mal den Zecken!

Auf dem Parallel- Weg läuft eine Wandergruppe. 10, 12, 15 Leute! Alle am quatschen! Ja gibt es denn hier keine Kneipe wo die einkehren können und mich in Ruhe lassen mit ihrem Gequassel? Und da ist es auch wieder, das unverkennbare Klackern von Laufstöcken. Orr, das ist mein schönes Wetter! Haut alle ab! Naja... the world is our playground...





Ich will ein paar Fotos vertwittern aber hier oben auf dem Berg gibts nur edge. Auch irgendwie seltsam.

12:51 Ein Cache erzählt mir die Geschichte eines Piloten, der während eines Absturzes nicht den Schleudersitz nutzte sondern mit der Maschine in ein Waldstück krachte, damit sie nicht über dem Ort abstürzt. Ein Gedenkstein erinnert an ihn. Er beeindruckt mich. Und die schwarze Fläche auf der Wiese wo er runtergekommen ist. Aber wird hier immer wieder was neues angezündet oder bleibt die Fläche schon seit 30 Jahren so öde? Mystisch.

13:25 Ich lerne viel während des Earthcaches. Was ich davon behalte weiß ich noch nicht. Aber sicher genug, um vor meinen Enkeln mal mit unnützem Wissen zu glänzen. Und die werden die Augen verdrehen und ahnen, woher es die Mama oder der Papa haben.

14:25 Der Weg führt mich vorbei an eine Fracking- Probebohrung. Ist aber schon Jahre her. Gäbe es hier keine Schautafel und keine Dose, hätte ich es nicht gewusst. So denke ich darüber nach, wie wir Menschen oft nicht zum Guten die Welt verändern.

14:30 Ich denke nicht an die Arbeit. Den ganzen Tag schon nicht. Also jetzt schon. seit dem ich daran gedacht habe, dass ich nicht an die Arbeit gedacht habe, denke ich an die Arbeit. Ich muss unweigerlich an Douglas Adams denken. An seine Theorie dass wir fliegen könnten, wenn wir nur in der Lage wären, während des Fallens nicht darüber nachzudenken und nicht daran zu denken, dass wir gleich aufschlagen würden.







16:00 Die Dosen sind gesucht, der Rucksack fängt an zu drücken Ich bin auf dem Rückweg, möchte eigentlich keine Umwege mehr aber den höchsten Punkt des Berges durch den ich gegangen bin, satte 208 Meter hoch, den will ich noch mitnehmen. Und dann steht da ein Turm. Ein 23 Meter hoher Turm. Naja, Wenn ich schon mal hier bin.... wäre ich ja schön doof, wenn ich nicht hochgehen würde. Also schließe ich mich einer Großfamilie an und steige nach oben. Und ich werde nicht enttäuscht. Die Familie erfüllt jedes Klischee, nur wie die Kinder hießen hab ich nicht herausbekommen können. Und die Aussicht! Herrlich. Ich kenne mich offenbar schon so gut aus, dass ich mich schnell zurecht finde und durchs Fernglas fast den Wohnwagen erkennen kann. Leider werden die Fotos trotz Halterung nicht so gut. Naja, die Erinnerung zählt.

Mittlerweile habe ich Musik auf den Ohren. Läuft sich doch deutlich beschwingter. Und ein bisschen Schwung kann ich gut gebrauchen. Und- haltet von ihnen was ihr wollt aber das Gitarrenriff von "Mit dir chilln" passt grad ganz hervorragend.




16:10 Ich laufe zielstrebig auf eine letzte Dose zu und beschleunige meine Schritte. Aber wie ist das eigentlich bei diesen Wanderungen? Laufe ich so energisch vor etwas weg? Oder auf etwas zu? Ich wünsche mir, dass es das Zweite ist, auch wenn ich nicht erkenne, wohin mich der Weg führt.

...

Und jetzt ist es bald Mitternacht und ich warte immer noch auf die Freigabe für den Cache. Mist. Muss ich alle Fund- Logs morgen nochmal schreiben. Naja, vielleicht achte ich ja doch nicht auf die Reihenfolge.



Zwingt mich ja keiner,
is ja nicht Pflicht ist ja immerhin
Mein Spiel, mein Spiel...

Gesuchte Caches:

https://coord.info/GC6PQF6
https://coord.info/GC6RJHC
https://coord.info/GC1R507
https://coord.info/GC2DARF
https://coord.info/GC5MJ26
https://coord.info/GC5FHJC

Weitere Bilder und Gedanken bei Twitter.

Samstag, 28. Januar 2017

Es träumte mir.

Normalerweise erinnere ich mich nur an Bruchstücke eines Traumes doch Anfang der Woche wollte mir mein Unterbewusstsein wohl ganz deutlich was sagen. Hab ich aber nicht verstanden.

Ich war neuer Schüler an einer weiterführenden Schule. Vermutlich ein Gymnasium. Es lag dicht an einem Bahnhof oder ähnlichem. Ich irrte teils verwinkelte teils schnurgerade Gänge entlang auf der Suche nach meinem Klassenraum.
Es war offenbar der erste Schultag und der war wie ein Tag der Offenen Tür gestaltet. Am Anfang lief ich einer netten Gruppe Schülern hinterher, die sich besser auszukennen schienen. Allerdings haben mich die offenen Türen links und rechts so abgelenkt, dass ich ich die Truppe verlor.
In einem Raum erklärte ein Hausmeister unter dem Gejohle begeisterter Zuschauer die korrekte Handhabung eines Pömpels (Knutschpfropfens, rotes Kloding oder wie immer das vor eurer Haustür heißen mag). Er benutzte dazu allerdings kein Gummiteil am Holzstab sondern einen Menschen in rotem Kostüm.
Auf meiner Irrfahrt kam ich auch durch die Mensa. Die entpuppte sich allerdings als ein Restaurant gehobener Klasse, das sich über mehrere Ebenen erstreckte.
Von hier kam ich in den Innenhof, der allerdings eher einem verfallenen Bauernhof als einer Pausengelegenheit glich.
Die Häuser des Gehöftes waren allerdings von alten, sehr alten pflegebedürftigen Menschen bewohnt, also eine Art Hospitz.
Aus den Augenwinkeln sah ich einen Teenager von einem Haus zum anderen flitzen, das Mädchen war allerdings eher gekleidet wie in den 70ern
Wieder im Inneren des Gebäudes stolperte ich fast über einen Lehrer mit einem Stapel Heften im Arm. Er war auf dem Weg zu einem Vortrag über schwierige Schüler, den er halten würde. Das dürfe aber niemand wissen.
Von hier an verschwimmt der Traum im allmählichen Grau des Erwachens.

Den Rest der Woche träumte ich immer wieder von einer Schule. Jetzt war ich aber Grundschüler, konfrontiert mit der alten Gefühlswelt in der man lebt, wenn man zwar gut in der Schule aber nicht im wahrnehmbaren Mittelpunkt der Klasse steht.


Donnerstag, 1. Dezember 2016

Eselsbrücke

Heute kam die liebe Tochter stolz zu mir und präsentierte mir ihre großartige Idee. Sie habe den perfekten Spickzettel erfunden. Warum er perfekt wäre? Weil niemand ausser ihr wisse, dass es ein Spickzettel ist! Sie werde ihn einfach offen auf dem Tisch liegen lassen ohne dass es jemanden stört.

Hier ist er:



Ja... so habe ich auch geguckt. Aber was sie mir dann erklärte, war schon fast genial:
Dieses Bauwerk hilft bei der Prozentrechnung. Wie? Das versuche ich jetzt zu erklären. Da ich noch mit Dreisatz und nicht mit Stiften gelernt habe, fehlt hier ein Zwischenschritt, den die Kinder heute scheinbar als gegeben weglassen dürfen.
Also wir nehmen mal folgendes an:

lila sei W, der Prozentwert
grün sei G, der Grundwert und
braun sei P, der Prozentsatz

Ausserdem brauchen wir noch den geheimen Geheimdingens "x/100" (das ist der Teil, den die einfach weglassen bzw. als gegeben annehmen)

Und nun kann man lustig losrechnen
Nehmen wir an, 80 Kinder fahren zur Schule, das sind 40% der Kinder. Wie viele Kinder sind in der Schule? Ich habe
Prozentwert (lila) 80 und
Prozentsatz (braun) 40%

Mir fehlt der Grundwert (grün), deshalb halte ich den grünen Stift zu. Was bleibt? Genau!

lila
-----
braun

Jetzt noch die Geheimzutat und ich habe
80/0,4

Weil das doof ist, erweitern wir mit 10 und haben
800/4= 200!
200 Schüler sind an der Schule.

Na? Dämmerts?

Andersrum!

200 Schüler sind an der Schule, es fahren 40%
Da mir der Prozentwert fehlt, halte ich lila zu und erhalte
grün mal braun!
wieder Geheimpulver drüber:
200 x 0,4 = 80!

Unter hysterischem Lachen ein letzter Test!

200 Schüler, 80 fahren Rad, wieviel Prozent sind das?
uns fehlt der Prozentsatz also decken wir braun zu und was bleibt? Richtig!
lila
-----
grün
*Streu streu*

80/ 2 = 40
40
VIERZIG!

HAHAHAHAAAAA Die Welt gehört mir!

Ok, meiner Tochter.

Freitag, 11. November 2016

Was ist Twitter? Meine persöniche Selbstbeweihräucherung und eine Massen- Nonmention

Ja, ich weiß, es gibt schon zahlreiche Sichtweisen, was Twitter ist, wann man es durchgespielt hat oder was irgendwelche Gesetze wollen. Aber eben nicht von mir.

Als ich mich 2009 bei Twitter registrierte, hielt ich Twitter für einen Kurznachrichtendienst.
So etwas wie eine Lokalzeitung, nur viel schneller. So folgte ich zunächst mehr oder weniger offiziellen Quellen aus der Nachbarschaft, ein wenig Verwandschaft und den bekannten Größen meines Hobbys.



Ich wollte natürlich nicht nur konsumieren, deshalb folgte im November mein erster Top- Tweet.

Damit man den Witz versteht sei angemerkt, dass dieser bis zum heutigen Tage keine markierte Beachtung gefunden hat. Kann sich ja nach Redaktionsschluss geändert haben.

So richtig sprang der Funke aber nicht über. Wem folgen denn die? Aha... ein bisschen Prominenz aus Film und Fernsehen zog in meine Timeline und die Erkenntnis, dass Twitter etwas anderes sein könnte. Damen und Herren und manchmal war ich mir nicht sicher, gnadenlose Einblicke in die Realität anderer aber auch das mehr oder weniger schillernde Leben von Kunsfiguren, alltägliches, auf den ersten Blick Banales in 140 Zeichen, im Vorbeigehen aufgeschnappt. Twitter wurde zur Stammkneipe.



Hier und da schnappte ich etwas auf, wollte verweilen, mehr erfahren oder mir ganz schnell die Ohren zuhalten.
Hatte übrigens immer noch keinen interessiert.

Manchmal stand man sich auch mit Rat und Tat zur Seite...



... und gab ungefragt Kulturtipps. (damals noch ohne hashtag)

In dieser Stammkneipe gab es- jedenfalls in meiner Phantasie auch eine kleine Bühne wo mehr oder weniger begnadete Wortakrobaten ihre poiniterten Meinungen zum Besten gaben.


Ich habe mich köstlich amüsiert, mich beachtete jedoch scheinbar niemand.

 Ein ganzes Jahr las ich nur mit oder schaute gar nicht in dieses Universum, das sich mir einfach nicht erschließen wollte.

Eine neue Gruppe von Menschen hielt  in meine Timeline Einzug. Leute, die im weitesten Sinne aus meinem Berufsfeld kamen, und solche, die scheinbar eine ähnliche Lebenswelt wie ich hatten.
Plötzlich fühlte ich mich verstanden, ohne ein Wort gesagt zu haben. Andere fühlten genau wie ich, mit den verrücktesten Gefühlen war ich nicht mehr allein.



...und viele weitere. Alles #ff aus tiefstem Herzen


Und auch meinen allerersten Stern konnte ich ergattern!


Andere Tweets zündeten nur in meinem Kopf


Ich merkte, wie hilfreich es sein kann, Sachen einfach mal aus dem Kopf zu bekommen. Mit oder ohne Sternen/ Herzen. Natürlich wäre es gelogen, wenn ich behaupten würde, die ersten 25er wären mir letztes Jahr egal gewesen. Oder der erste 100er in diesem Jahr. Aber die andere Seite wurde noch viel wichtiger an Twitter:

Ich freute mich über das Auftauchen bestimmer Profilbilder, egal welcher Text dahinter kam, ich begann mit mir völlig Unbekannten Menschen zu lachen und zu leiden, zu fragen und zu antworten, sah Beziehungen entstehen und zerfallen, Menschen am Boden zerbersten und- meist- doch wieder aufstehen.
Ich begann, psychische Krankheiten besser zu verstehen, weil Betroffene den Mut hatten offen darüber zu sprechen und merkte wie oft man selbst auf dem schmalen Grat steht.

Twitter war nicht mehr nur Lokalzeitung und Stammkneipe, nicht nur Standup- Bühne und Lehrerzimmer, nicht nur Vätergruppe und Familientherapie, nicht nur Nachbarschaftsfest und Hobbykeller,

Twitter war- ist viel mehr als das alles zusammen. Twitter, das sind die liebgewonnenen mehr oder weniger verrückten aus meiner Hosentasche.

Danke dafür!

PS. In ein paar Tagen spiele ich dann das nächste Level frei und treffe mich mit ein paar von ihnen.

Sonntag, 29. November 2015

Frank macht auf Kulturblogger




Ich bin in der Konzernzentrale der heristo AG

Die Wände sind voll mit Kunst. Bilder, Skulpturen, Gestaltungen,die meinen Blick mal langsam, mal schnell,mal kurz mal lange fesseln. Ich blicke zurück auf eine Figur, die von der Unendlichkeit aus von der Decke des Treppenhauses zu hängen scheint und stolpere fast die Treppe herunter. Fotos? mache ich lieber nicht, wer weiß, nachher ist das irgendwie Industriespionage oder man erinnert sich an mich, wenn hier was geklaut wird.

Kurze Zeit später sitze ich in einer schicken Mensa, schlürfe Gulaschsuppe und diskutiere über Herrencreme. Wie bin ich hier nur hineingeraten?

ca. 4 Stunden vorher...



Noch etwas abseits vom Informationshäusschen der Lichtsicht Projektionsbienale in Bad Rothenfelde stehe ich neben den riesigen Gradierwerken. Wie immer bin ich zu früh. Nur nicht Erster am Treffpunkt sein, steh ja nicht so gern im Mittelpunkt. Und bei Fremden schon gar nicht. Ich bin zu einem Kultur- Tweetup geladen. Habe offenbar auf Twitter einmal zu viel meine Vorfreude unter dem Hashtag #lichtsicht zum Ausdruck gebracht. Ich schaue mir die Profile der anderen Gäste, die erwartet werden an. Verflixt, die verstehen alle was von Kunst, machen offenbar teilweise selbst welche... Aber Steffen vom Tweetup hatte mich im Vorfeld beruhigt: "Wer hat schon "Ahnung" von Kunst? Kunst, die das voraussetzt, ist keine, behaupte ich." Soll ich mein Namensschild benutzen? Ach nein, erstmal nicht. Mal sehen, wie die so drauf sind.

Foto: Steffen Peschel
16:50 Uhr Da sammelt sich eine Truppe. Mal sehen, ob sie das sind...

Ich komme näher und schnappe ein Gespräch auf, wie man sich wohl erkennen wird. Man kenne ja nur die Profilbilder. Aha, hier bin ich richtig!

Wir gehen in ein Zelt nahe des Lichtsichtshops und werden erstmal auf einen weißen Glühwein eingeladen "Das lockert die Atmosphäre, da kann man besser twittern." Ach, das geht ja gut los! Wir werden immer mehr. Die Ostwestfalen, Christiane Hoffmann, Beate Lechler, Steffen kommt erst später und hat gar keinen Bart. Egal. Ausserdem sind noch andere Kunstschaffende und -verständige da, deren Namen ich leider vergessen habe.

Wir werden herzlich begrüßt, nach einer heiteren Vorstellungsrunde, "Hallo, ich bin Steffen, ich bin der gerade nur schlechten Netzempfang hat. Vorhin ging es noch." weiß ich, dass in unserer Runde auch die Pressesprecherin und weitere Organisatoren der Lichtsicht sitzen. Auch nach meiner ehrlichen Vorstellung und der Beichte dass ich keinen der Künstler kenne, werde ich nicht raus geschmissen. Na gut, dann bin ich jetzt eben Kulturblogger. Eine Hand wäscht die andere.

Birgit Kannengießer bittet uns nun hinaus, die Führung soll beginnen. Ob der Prominenz (die Tochter von rosalie, einer der ausstellenden Künstlerinnen gehört zu unserer lustigen Runde) wäre mir ja etwas mulmig. Wir bekommen noch nen Sticker, der uns als private Führung ausweist und eine 3D- Brille und raus gehts in die Kälte.

"Was ist denn dieses Twitter, wie viele erreicht man denn da?" werde ich beim Hinausgehen gefragt. "Das kann man so exakt gar nicht sagen, mir folgen zwar 250 Leute, aber ein Teil davon ist irgendwelche Werbung und die anderen folgen ja auch noch anderen, und all deren posts rauschen mit meinen zusammen über den Bildschirm"



Wir sind an der ersten Installation. Sagt man das so? Keine Ahnung. Holger Förterer setzt virtuell einen Teil des Gradierwerkes in Brand und nennt es "Feuerwall". Es knistert ein bisschen und sieht schon recht beeindruckend aus. Aber dieses Werk kann mehr. Vorausgesetzt, man lädt sich eine entsprechende App aus dem playstore (fürs iphone gibts das nicht, da apple keinen ausreichenden Zugriff auf die Bilder zulässt) kann man, wenn man vor Ort ist Bilder verbrennen, sie aus dem virtuellen Gedächtnis löschen, denn schickst du ein Foto an die Wand vergeht es nicht nur in 16 Meter hohen Flammen sondern wird gleichzeitig auch von deinem Handy gelöscht. Ich "verbrenne" einen matschigen Kürbis und eine Seite eines Werbeprospektes für Plastikschüsseln.



Vor der Wand kommen wir ins Gespräch. Wird das Werk denn auch so verstanden, wie es gemeint ist oder ist es nur ein großer Spaß, sein Bild 15 Sekunden lang den Flammen zu übergeben? Schließlich ist dieses Bild ja auch in dieser Zeit noch ein letztes Mal Mittelpunkt von allem. Und klar hab ich auch ein Foto davon gemacht, wie es verbrennt. Was regt es an in den Menschen? Gehen sie anders mit ihren digitalisierten Erinnerungen um? Wir finden keine Antwort.

Auf der anderen Seite des Gradierwerkes huschen verschwommen Schatten über den Schwarzdorn. "sterea skia" Ah! Es ist Zeit für die 3D-Brille! Tim Otto Roth spielt hier mit den Schatten der Umgebung, lässt sie plastisch werden, als wäre die Welt von mehr als einer Sonne beschienen. Man ist versucht sich zu ducken, spätenstens, wenn die Zweige der umliegenden Bäume in der "Abendsonne" auf uns herunter zu fallen scheinen.

Wir gehen hinüber zum größeren Teil des Gradierwerkes, bis zu 312 Meter stehen den Künstlern hier zur Verfügung. Wir gehen aber erst einmal zur Stirnseite und müssen, vielmehr dürfen wieder aktiv werden.



"Aspect (white)" nennt die Künstlergruppe Random International ihre Installation. 3 Lichtquellen, meist weiß aber dann auch plötzlich gebrochen, gestreut, gestreift, laden uns ein, "mit unseren Schatten zu kommunizieren", sprich allerlei Gehampel zu fabrizieren und wir tuen es gern. Sieht auch irgendwie gut aus. Wir sehen gut aus. Wir sind Kunst!


Gleich um die Ecke ziehen wieder alle ihre Handys. Wieso, da sind doch nur Streifen?! Oh! Ein offenes W-LAN! Gleich mal einwählen. Und eine Webseite soll ich anwählen? Warum? Alexander Rechberg, Daniel J. Becker, Michael König, David Murmann und Adrian Rennertz präsentieren uns LASACT oder vielmehr präsentieren wir ihnen, was wir mit ihrer "Crowd-art" machen. 

Denn wir steuern die Laser, ziemlich wirr, weil wir uns nicht die Zeit nehmen, uns zu organisieren. 


Wir kommen gerade recht an die nächsten 72 Meter die William Kentridge mit seinem "More Sweetly Play the Dance" füllen wird. Bisher sehen wir nur eine gezeichnete Kulisse, aus der scheinbar immer wieder Fehler ausradiert, neue Striche hinzugefügt werden. Doch dann beginnt die Prozession, Merk- würdige Gestalten und Gegenstände laufen, tanzen schweben 15 Minuten lang in scheinbar endloser Reihe und erinnern an großartige Paraden und Flüchtlingsströme zugleich. Arbeitstitel war "dance macabre" Auch beklemmend passend.

Und schon geht es weiter. Die nächste Prozession. Diesmal ziehen Häuser an uns vorüber. Nein, nicht wirklich. Es sind nur die Straßen zwischen den Häusern. Schnurgerade irgendwo in Australien. Schnurgerade, geteilt durch hauchdünne Linien blicken wir in Straßenszenen. Wir nehmen Menschen wahr die teilweise verschwinden, teilweise in die Linien zu gehen scheinen. "A garden of Parallel Paths" von Daniel Crooks. Leider verweilen wir nur kurz, die nächste Gruppe naht. Die 12 Guides sind heute abend im Dauereinsatz.


Eine Meute Hunde rast auf uns zu. "Das ist leider schon das Ende" teilt uns unser Guide mit. Aber alle Installationen fangen ja gleich wieder von vorn an. So auch der "Marathon der Tiere" von rosalie 
Die Hunde kommen gerade aus einem Röntgengerät gerannt, erfahren wir. In der Folge laufen allerlei Tiere über die Gradierwand. Die Ablagerungen an der Schwarzdornwand reflektieren das Fell der Tiere lassen sie plastisch erscheinen. So lang sie denn Fell haben. Denn plötzlich zerfallen sie zu biometrischen Daten, zu 3D- Röntgenmodellen und erinnern an lebende aber auch ausgestorbene Tiere.

Was auf der anderen Stirnseite des großen Gradierwerkes auf uns wartet kann man nicht fotografieren, auch nicht wirklich filmen. 

Mitten aus dem Springbrunnen in dem tagsüber so beschaulichen Teich scheint eine Tänzerin zu steigen und gleich wieder zu zerfallen. In einem Moment ist sie plastisch, zum Greifen nah, jede ihrer anmutigen Bewegungen ist klar umrissen und nur einen Wimpernschlag später zerspringt sie in unzählige Wassertropfen. "Water Dancer" von Eyal Gever hat mich schwer beeindruckt. Eine Computersimulation mit echter Tänzerin und falschem Wasser.


Unsere letzte Station ist die "Rückseite" des großen Gradierwerkes. Wir sind schon ordentlich durchgefroren. Diese letzte Installation ist etwas schwierig zu beschreiben, denn sie besteht aus mehreren. Zum Einen sehen wir Video Portraits von mehr oder weniger berühmten Menschen und einem Panther. Die Bilder scheinen statisch zu sein aber- halt! Er hat gezwinkert! Sie hat geatmet! Erstellt hat sie Robert Wilson, der hier alle mit klitzekleinen Bewegungen nach seiner Pfeife tanzen lässt.

Die Portraits wechseln sich ab mit Ryoji Ikedas "the radar [bad rothenfelde]" der uns erschlägt mit Satelitenaufnahmen, Zahlen, Zahlen, Zahlen, Zeiten, Zahlen Zeiten, Zahlen.... viel zu viel um es erfassen zu können. Und genau so soll es sein. Was das besondere an diesen beiden letzten Installationen ist? Sie nutzen die gesamten DREIHUNDERTZWÖLF Meter.
Für das wahre Highlight kurz vor Ende sorgen allerdings weder Wilson noch Ikeda. Eine Gruppe jugendlicher Mädchen drängt sich durch unsere Gruppe. Erst reden sie noch über die Jungs in der Klasse und dann platzt die Bombe: "Der dritte Weltkrieg kommt jetzt. Wirklich! Die Merkel hat das unterschrieben." All zu besorgt scheinen die Damen dann aber doch nicht zu sein, wir sehen sie schon bald wieder, wie sie das Licht einer der zahlreichen Hinweistafeln für ein Selfie (oder sagt man dann Drelfie?) nutzen.
Nach gut 1,5 Stunden muss der Guide noch ins Kino und wir sind durchgefroren und vollgestopft mit Wissen und Eindrücken.

Wir fahren hoch zur Konzernzentrale. Im Eingang eine blasse Kopie des "Deutschen Kulturförderer- Preises 2015" Ob der Preis eine große Bedeutung für heristo habe wird die Pressesprecherin gefragt. Oh ja! Wirtschaftlich wie kulturell. Fast entschuldigend merkt sie noch an, dass der "echte" Preis eine riesige Glasplatte sei, dafür müsse erstmal eine Halterung geschaffen werden.


Bei besagter Gulaschsuppe erfahren wir noch einiges voneinander. Die Verantwortlichen der Lichtsicht erfahren was eine Twittwall ist und warum man damit viele erreichen kann. 
Wir erfahren, dass jeder der Künstler sich die Gradierwände angesehen hat und auch die ein oder andere Schwierigkeit mit dem Material hatte denn bis zu 30 Jahre mit Salzwasser benetzter Schwarzdorn ist eben etwas anderes als eine weiße Wand. 
Wir schmunzeln darüber, dass die erste Lichtsicht 2007 tatsächlich teilweise noch mit handelsüblichen Beamern gearbeitet hat, dass alle Kabel und Technik nach jeder Lichtsicht wieder ausgebuddelt werden.
Wir erfahren, dass die Nähe zu Nordrhein- Westfalen es schwierig macht, die Lichtsicht in der Welt bekannt zu machen. Sicher käme jemand aus Bielefeld schneller mal vorbei als jemand aus Hamburg. Aber wenn der NDR einiges und der WDR wenig berichtet, wird der Bielefelder es vielleicht gar nicht erfahren. Daher wurde ein Teil der Installationen auch an andere Kultureinrichtungen gestrahlt, zum Beispiel in Bielefeld.
Wir diskutieren über den Grad von Interaktivität, den eine solche Veranstaltung verträgt ohne zum Mediengekasper zu werden. 
Wir werden uns schnell einig darüber, dass die angebotenen Installationen für viele, wenn nicht sogar für jeden einen Ankerpunkt bietet, durch den er Zugang zur Kunstgattung der "Projektionskunst" findet. 
Wir reden nochmal über die "Feuerwall". Ob denn nicht die Gefahr bestünde, dass dieses Medium für kriminelle Machenschaften, zum Beispiel Hassbotschaften genutzt werden könnte. Die Gefahr bestehe sicher, man habe sich aber gegen einen Filter oder ähnliches entschieden. Man müsse schließlich beim Senden direkt vor der Wand stehen und die Hürde wäre dann schon sehr groß, dies aus der aufmerksamen Masse heraus zu tun. 

Und nun sitze ich wieder zu Hause und möchte jedem, dem sich die Gelegenheit bis zum 7.2. bietet dringend ans Herz legen, nach Bad Rothenfelde zu kommen. Die Installationen starten bei Einbruch der Dunkelheit so gegen 17:30 Uhr. Wie ihr euch die Kunstwerke erschließt, sei euch überlassen. 
Nehmt einen Flyer mit, damit ihr grundsätzliche Informationen habt, 
nutzt die zahlreichen, beleuchteten Hinweistafeln mit ergänzenden Hinweisen 
oder noch viel besser
schließt euch einer Führung für 5 Euro an
leiht euch einen Audioguide für 6 Euro oder
bucht euch eine private Führung für bis zu 20 Personen für 80 Euro!(alles nicht kostendeckend)

Und esst nen Burger bei Schillerburger, die gehören seit neuestem auch zur heristo- Gruppe.

Zieht euch warm an und bringt euch mindestens 1,5 Stunden Zeit mit. Oder kommt 2 mal. Es lohnt sich wirklich.



Ach so, die Sache mit der Herrencreme! Die gabs zum Nachtisch und war sehr lecker.


PS. Ja, ich weiß, dass ich hier sehr häufig die heristo- AG genannt habe. Das war Absicht. Die hat in die Lichtsicht ne Menge Geld gestopft, da ist das hier das mindeste, was ich als Dank für diesen schönen Abend tun kann.

Ups, ich bin käuflich! Nicht immer. Gute Nacht.

Sonntag, 4. Mai 2014

Logbuch FaMoWa1 Datum 4.5.2014

Ich wollte immer Logbuch für unseren Wohnwagen schreiben. Nun wird er bald ersetzt. Darum hier bur ein paar technische Daten, die mir spontan einfallen.

Typ
Dethleffs nomad RD5
Baujahr 1990
Schlafplätze 5
Reperaturen fast der gesammte Unterboden ausgetauscht, Wasserhahn Bad ersetzt, Feststellbremse

Touren
4x Alfsee
Saisoncamping Camphotel
2x Südseecamp
Fehmarn Inselcamping
3x Essen Werden
1x Agathenburg

Posted via Blogaway


Posted via Blogaway